Am 13. August 2026, einen Tag vor dem Hohen Venn, brach im Hürtgenwald im Kreis Düren ein Waldbrand aus, der zum größten in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der amtlichen Datenerfassung 1991 wurde. Dieser Brand ist aus einem Grund lehrreich: unser geostationärer Satellit war hier nicht der Erste. VIIRS NOAA-21 sah ihn um 13:45, MTG erst zwei Stunden später.
Das Feuer brach am Donnerstagnachmittag, 13. August, in einem Waldgebiet zwischen Großhau und Gey aus. Die Behörden meldeten zunächst etwa 25 Hektar; innerhalb weniger Stunden waren es rund 300. Wegen der schnellen Ausbreitung und einer auf Gey zurollenden Feuerfront wurde der Ortsteil in der Nacht zum 14. August evakuiert: etwa 1.800 Einwohner.
An diesem Tag gab es im Hürtgenwald zwei Einsätze. Zuerst ein kleines Waldstück zwischen Großhau und der Wehebachtalsperre, das gegen 16 Uhr unter Kontrolle war. Danach das Feuer bei Gey. Unsere früheste Detektion um 13:45 liegt nördlicher als das Hauptcluster und gehört vermutlich zu diesem ersten, kleinen Brand.
Der geostationäre Streifen beginnt hier erst um 15:50, während VIIRS den Brand schon um 13:45 gesehen hatte. Ein MTG-Pixel ist etwa 2 Kilometer groß; ein Bodenfeuer unter Kronendach auf 25 Hektar füllt dieses Pixel nicht mit genug Wärme, um die Detektionsschwelle zu überschreiten. Erst als sich das Feuer auf 300 Hektar ausbreitete und das Kronendach erreichte, leuchtete die Zelle auf.
Acht Satellitenquellen sahen diesen Brand. Gemessen ab 13:45, dem Zeitpunkt der ersten Detektion. Beachten Sie die ersten zwei Zeilen: Aufnahme und Lieferung fallen nicht zusammen.
| Quelle | Aufnahme | Verfügbar | Nach erster Detektion |
|---|---|---|---|
| VIIRS NOAA-21polar | 13:45 | 16:09 | 144 min |
| MTG FRP-PIXELgeostationär | 15:50 | 16:09 | 144 min |
| MODISpolar | 16:29 | 17:34 | 230 min |
| MSG FRP-PIXELgeostationär | 17:00 | 17:34 | 230 min |
| Sentinel-3Apolar | 22:55 | 23:52 | +608 min |
| VIIRS Suomi-NPPpolar | 02:35 | 13:56 | +1.451 min |
| VIIRS NOAA-20polar | 02:52 | 14:17 | +1.473 min |
| Sentinel-3Bpolar | 12:08 | 14:17 | +1.473 min |
Sentinel-3 steht der Vollständigkeit halber dabei. Diese Quelle ist wertvoll, um ein Brandgebiet zu kartieren, nicht für die erste Warnung.
VIIRS NOAA-21 nahm den Brand um 13:45 auf, lieferte aber erst um 16:09; MTG nahm ihn um 15:50 auf und lieferte in derselben Minute. Der polare Satellit sah also früher, der geostationäre lieferte schneller, und zufällig kamen sie im selben Viertelstundenfenster an. Ohne diesen Zufall wäre die erste Warnung zwei Stunden später gekommen.
Detektionen pro Stunde, Ortszeit. Die gepunktete Linie markiert die höchste gemessene Leistung: 408 MW in der Nacht zum 14. August, als das Feuer bei Gey erneut hoch aufloderte und der Ortsteil evakuiert wurde.
Geostationär ist nicht immer schneller. Bei einem kleinen, kühlen Bodenfeuer unter Bäumen verliert ein Pixel von 2 Kilometern gegen eine polare Messung von 375 Metern. Wer eine Quelle als die Lösung verkauft, verkauft die halbe Wahrheit: es geht um die Kombination, und welche der beiden zuerst etwas sieht, hängt von der Art des Feuers ab.
Unsere eigene Flächenberechnung kam für diesen Brand auf knapp 3.000 Hektar, während die Behörden etwa 300 meldeten. Das ist ein Faktor zehn.
Die Umhüllende, die wir um eine Detektionswolke berechnen, ist eine Obergrenze und kein gemessener Umfang: je weiter die Detektionen auseinanderliegen, desto größer die Form. Bei einer langgezogenen Feuerfront im Wald summiert sich das stark. Wir nutzen diesen Wert intern zum Ordnen von Bränden, nicht zur Flächenmeldung.
Wir markierten den Brand als beendet, sobald die Detektionen aufhörten. Tatsächlich war er zu diesem Zeitpunkt eingedämmt, aber nicht gelöscht, mit noch an zwei Stellen sichtbaren Flammen.